Am 6.Sepetember 2001 traf BK-Chefredakteur Sascha Leupold Actionstar VIN DIESEL zu einem interessanten Gespräch, als er seinen Film THE FAST AND THE FURIOUS in Hamburg promotete. Leider verschwand das Tape und tauchte vor kurzem wieder auf. Dennoch wollen wir Euch das Interview nicht vorenthalten, da VIN DIESEL eigentlich kaum etwas zu seinem Film sagte, sondern mehr über seinen Werdegang, Erfahrungen und Erlebnisse in Hollywoods Reich berichtete. Gerade jetzt wo er sich durch XXX in die Riege der Action-Stars einreihte, beweißt das Gespräch, das der harte Schauspieler auch seine weichen Seiten hat.

BK: Waren Sie vorher schon einmal in Europa?
DIESEL: Ich war 1995 in Cannes. Dann ging ich nach Irland und England, vier Monate, für Saving Private Ryan. Letztes Jahr machte ich in London Öffentlichkeitsarbeit für Pitch Black. Diesen Sommer habe ich den Sturm in Amerika für Fast and the Furious ausgelassen und bin hierher gekommen. Ich genoß hier drei Wochen in relativer Anonymität. Das letzte Mal, bevor der Film hier startet.

BK: Ist das anders für Sie hier, auf der Straße erkannt zu werden? In Amerika erkennt man Sie auf der Straße.
D: Ja. Ganz anders. Ganz besonders nach Fast and Furious. Fast and Furious hat alles verändert. Der Film hatte in Amerika einen so explosiven Erfolg. Pitch Black kam am gleichen Tag raus, am 18 Februar (2000), am gleichen Tag wie Boiler Room. Da waren also zwei Filme gleichzeitig draußen, und das brachte einiges mit sich.

BK: Aber Sie haben damit keine Schwierigkeiten.
D: Das ist halt so. Das gehört zum Geschäft.

BK: Ist das ein Teil, auf den Sie nicht verzichten möchten? Besonders die ganzen weiblichen Fans… Da sind so viele Fan-Sites im Internet…
D: Die hab' ich alle selber gebaut (lacht).

BK: Die kleine Schwester oder so?
D: Ja, die ganze Familie baut sie unter falschen Namen! Wissen Sie, es ist eine andere Wirklichkeit. Das ist etwas, auf das man sich nicht vorbereiten kann. Als Künstler will man mit seiner Kunst so viele Menschen wie nur möglich auf der ganzen Welt erreichen. Man will jeden erreichen. Und dann wird man berühmt, und das verändert das ganze Leben. Aber es ist ein Teil von dem, was man macht.

BK: Wird das nicht manchmal etwas viel?
D: Und ob das manchmal zu viel wird. Man wird mehr zum Einsiedler.

BK: Haben Sie davon geträumt, ein Star zu werden?
D: Immer. Ich habe immer gewußt, daß ich das werde.

BK: Also gingen Sie viel ins Kino…
D: Das war mein Vater. Als ich noch jung war. Wir hatten nicht das Geld, zu Footballspielen oder zu Baseballspielen oder zu Basketballspielen oder in Konzerte zu gehen. Also gingen wir ins Kino. So verbrachten wir unsere Freizeit, wir gingen ins Kino.

BK: Was für Filme?
D: Alles! Von Musicals, West Side Story, My Fair Lady, zu Dschungelbuch, Der Dieb von Bagdad, die James Bond-Filme, Der weiße Hai und die ganzen Spielberg-Filme… So viele Filme, wirklich alle Filme, die zu der Zeit in die Kinos kamen.

BK: Hatten Sie in den Filmen besondere Helden? Stars? Idole?
D: Marlon Brando war immer mein Idol. Egal, ob in On the Waterfront oder in Guys and Dolls. Sidney Poitier war einer meiner absoluten Lieblingsschauspieler. Später, als ich mehr über die Branche lernte, war Mel Gibson ein bedeutender Faktor. Wegen all dem, was er machte. Weil er als Regisseur einen Oscar gewinnen konnte. Ich versuche, ein wenig von alles zu nehmen, von Robert DeNiro, Robert Scorsese, Al Pacino…

BK: Das sind alles Charakterdarsteller. Haben Sie keine Angst, dass Sie jetzt der neue Sylvester Stallone werden? Eine Action-Ikone. Und niemand beachtet ihre Drehbücher, Ihre Regie.
D: Nun, es ist definitiv etwas, das ich berücksichtigen muss. Glücklicherweise, für mich, verbrachte ich die ersten Jahre damit, mir das Handwerk zu erarbeiten. Ich versuchte, Off-Off-Broadway-Theaterstücke zu machen, ohne Filmerfolg. Keine Rollen. Dann, aus Frustration, schrieb ich selber Drehbücher. Weil mir niemand Drehbücher schrieb. Ich wurde zum Regisseur, weil ich es musste. Als Musiker oder Maler kann man künstlerisch unabhängig werden. Als Schauspieler ist man etwas weniger autonom. Als Schauspieler ist man vom Drehbuch abhängig. Man muss darauf vertrauen, dass ein Regisseur das Drehbuch versteht. Man hofft, dass das Studio einen Pitch freigibt. Das ist für einen Schauspieler sehr frustrierend. Glücklicherweise, für mich, verbrachte ich all diese Jahre damit, mich mit dem Handwerk abzumühen. Ich gewann meine erste Anerkennung als Autor, mit Multi-Facial in Cannes. Ich hatte einen Kurzfilm, der einen Preis gewann. Dann führte ich bei einem Film Regie, Strays, für $47.000, der für den Sundance Wettbewerb angenommen wurde -- das ist ein sehr prestigeträchtiger Wettbewerb, jedes Mal bewerben sich 1.000, und 18 werden angenommen, das war ein Riesending. Als ich damit anfing, mir in Hollywood einen Namen zu machen, bekannt zu werden, da sah Steven Spielberg Multi-Facial und schrieb eine Rolle für Saving Priate Ryan und führte mich in Hollywood ein. Ich war in einem Film, der von den Kritikern extrem gut beurteilt wurde. All das wird hoffentlich verhindern, dass ich einfach bloß ein Typ werde, der ein Actionheld wird. Ich baue in meine Filmografie Filme wie Boiling Room ein, der eine Hommage auf Glengarry Glenn Ross ist, und in dem ich zeige, was ich als Schauspieler kann. All das wird mich hoffentlich davor beschützen. Aber, wenn alles gesagt und getan ist, ich liebte diese Actionfilme. Actionfilme gaben mir Kraft, ich denke es ist cool. Viele Leute in Amerika übersehen, was Arnold Schwarzenegger zum Filmgenre beitrug. Die denken, er ist nur einer mit Muskeln, der Schauspieler wurde. Aber ein Bodybuilder, der ein erfolgreicher Schauspieler wird, das ist erstaunlich. Aber davon abgesehen, wenn man seine Filme sieht, man kann ihn gegen Schauspieler wie Anthony Hopkins stellen, oder Morgan Freeman, all diese wunderbaren Schauspieler, und das, was Arnold machen konnte, was keiner von denen hätte machen können, ist, Arnold konnte "Hasta la vista, Baby" sagen. Und es funktioniert. Die Leute sagen, "Oh yeah!" Das wird oft übersehen, von Schauspielern die mehr und mehr Anerkennung haben wollen, sie übersehen das. Aber ich, ich komme aus einer Richtung extremer Anerkennung. Deshalb fühle ich mich nicht davon bedroht, auch diese Sache zu meistern. Wenn ich also Pitch Black mache und sage, "Ihr wisst nicht, mit wem ihr euch anlegt," sagt ihr genau so "Yeah". Ich liebe solche Filme und ich denke, dass die Art, wie ich an die unterschiedlichen Filme herangehe, von einem Schauspieler zeugt, einem echten Schauspieler. Ich behandle einen Film wie Saving Private Ryan nicht anders als The Fast and the Furious. Ich bereite mich genau so lange darauf vor, ich verbringe genau so viel Zeit damit, den Charakter zu finden, seine Bedeutung für die Story zu finden, zu entdecken, was die Story wichtig und einzigartig macht. The Fast and the Furious hätte einfach nur ein paar Autos sein können, und er hätte nicht die Hälfe des Einspielergebnisses gebracht. Wir haben andere Auto-Filme gesehen, die in den letzten Jahren herauskamen, die nicht so wirkten. Wir haben viele Actionfilme gesehen, die keine solche Reaktion brachten. The Fast and the Furious ist ein erfolgreicher Film, und das ist, weil die Leute die Charaktere mögen. Sicher, es sind auch die Effekte, aber es gibt eine Unzahl von Filmen mit erstaunlichen Spezialeffekten, und die fünfmal höhere Etats haben. Es gibt Filme mit einem Budget von über 100 Millionen (Dollar), einige mit bis zu 200 Millionen (Dollar). Aber ihnen fehlt Substanz. Deshalb mache ich mir da keine großen Sorgen. Ich fühle mich von tollen Charakteren, herausfordernden Charakteren angezogen. Und wenn die in Actionfilmen leben, dann leben sie in Actionfilmen.

BK: Sie möchten also keine Leindwand-Persönlichkeit entwickeln?
D: Absolut nicht.

BK: Aber was ist mit den Fortsetzungen zu Pitch Black und The Fast and the Furious?
D: Nun, sie schreiben an Fortsetzungen. Das erstaunliche ist, alle diese Filme waren halbgar, bevor ich an Bord kam. Als man mich wegen Fast and the Furious ansprach, gab es kein Drehbuch. Hollywood-Filme haben normalerweise Drehbücher, an denen schon 2-3 Jahre lang gearbeitet wurde, bevor die Sekretärin irgend eines kleinen Mitarbeiters überhaupt das Drehbuch liest. Dieser Film bekam grünes Licht aufgrund eines Zeitschriftenartikels. Ich traf mich mit dem Regisseur bevor ich das Drehbuch sah. Es gab kein Drehbuch. Und sie wollten zwei Monate später drehen. Ich traf den Regisseur und ich unterschrieb den Vertrag aufgrund seiner Leidenschaft, weil ich seine Vision verstand und mit ihr übereinstimmte. Er redete von einer Szene, die Szene, in der die Kamera durch mich durch geht, durch meinen Arm auf die Autos… Ich sagte, was für ein geniales Bild, was für eine tolle Art, die Beziehung dieser Figur zu den Autos zu symbolisieren, als eine Art Auto-Zentaur. Diese mythische Figur, die halb Pferd und halb Mensch ist. Dieser Mann ist halb Mensch und halb Auto.

BK: Ich habe gehört, Sie sollen in Terminator 3 mitspielen. Stimmt das?
D: Ich habe kein Drehbuch bekommen.

BK: Aber man hat Sie angesprochen?
D: Das Internet hat diese wundervolle Eigenschaft, Dinge auszuschmücken, damit durchzugehen. Es gibt so viele Projekte, bei denen ich angeblich mitmache, bei denen ich noch nicht einmal das Drehbuch zu sehen bekam. Also…

BK: Andere Projekte, von denen ich hörte, sind Hellboy, eine Comic-Verfilmung…
D: Hellboy ist was anderes, da hat man mir tatsächlich ein Drehbuch gezeigt. Mir gefällt das Drehbuch. Mir gefällt das Projekt. Ich bin ein Fan des Comics. Daraus könnte tatsächlich etwas werden.

BK: Sind Sie spontan bei der Auswahl Ihrer Rollen, Ihrer Projekte?
D: Ich folge einer Art seltsamer Intuition, aber ich bin mir nicht sicher, wie diese Intuition funktioniert. Ich bin so vorsichtig wie man mich sein lässt. Selbst bei Pitch Black war es ein großer Vertrauensbeweis des Studios, einen komplett Unbekannten, der nur ein paar Szenen aus Saving Private Ryan vorzuweisen hatte, als Star für diesen Film zu nehmen. Es war bizarr. Dieser Film hätte nur noch ein komischer kleiner Sci-Fi-Film sein können. Ich hatte Glück, das Potential in dieser Figur in 70% des Skripts zu sehen. Ich bin vorsichtig, aber es ist Intuition. Etwas, das mich dazu bringt, "Ja, OK" zu sagen. Wie, wenn Rob Cohen eine dumme kleine Szene beschreibt, die dann wirklich genial ist. Nur eine Einstellung, die einen Schauspieler dazu bringt, zu unterschreiben, nur diese eine Einstellung zu beschreiben ist verrückt.

BK: Aber das hat Sie fasziniert.
D: Es hat mich fasziniert, weil es deutlich zeigte was ich dachte was er mit dem Film vorhat.

BK: Kannten Sie seine anderen Filme, wie Dragonheart
D: Ich mag Dragonheart, aber das war nicht der Grund, weshalb ich diesen Film machte. Es war seine Leidenschaft. Es war das Gefühl, dass dieser Kerl das wirklich hin bekommt.

BK: Es hat Sie vielleicht etwas inspiriert…?
D: Unbedingt. Ich muss inspiriert sein, um arbeiten zu können. Ich hatte Glück, dass ich an erfolgreichen Filmen teilgenommen habe, größtenteils. Es war mir niemals peinlich, über einen meiner Filme zu reden.

BK: Als Autor, haben Sie Einfluss auf die Drehbücher?
D: Das halte ich für unvermeidbar. Das hat mit meinem Weg zum Film zu tun. Wenn ich diese Rollen zehn Jahre früher bekommen hätte, hätte ich nie diese Erfahrungen mit dem Schreiben von Drehbüchern gesammelt. Wenn man diese Erfahrungen einmal hat ist es schwer, sie nicht einzubringen. Wenn man etwas sieht, das verbessert werden kann, und wenn man den ganzen Prozess des Filmemachens als gemeinsame Anstrengung versteht, dann kann man nichts anderes machen als versuchen, es zu verbessern.

BK: Haben Sie Ihre Ziele erreicht, oder gibt es noch unverwirklichte Träume?
D: Ich komme gut, aber ich habe noch viel mehr vor. Ich hatte viele wundervolle Augenblicke. Es gab in meiner Karriere viele Augenblicke die sich wie der Höhepunkt meiner Karriere anfühlten. Als ich Multi-Facial das erste Mal sah, niemand wusste davon… als ich mich selbst in meinem Film auf diesem kleinen Bildschirm in dieser Film-Verarbeitungsfirma sah, die Projektion dieses Films, bei dem ich Regie führte. Niemand wusste davon, niemand. Ich hatte niemandem davon erzählt. Und ich sah ihn 22 Minuten lang. Ich sprang hoch in die Luft und rannte durch die Straßen, die Arme hoch in der Luft als hätte ich hundert Millionen Dollar gewonnen, ekstatisch… Aber niemand wusste davon. Aber ich war ekstatisch. Und dann, eine Woche später, als der Film in den Anthology Film Archives gezeigt wurde, dieses alte Vorkriegsgebäude in der Nähe der Battery, gut 200 Klappstühle, die Farbe blätterte von den Wänden ab, auf einem 16mm Projektor. Nach diesen 22 Minuten, als das Publikum tobte… Und als ich dann nach Cannes fuhr, wo es für die Vorführung nur Stehplätze gab… Das war ein erstaunliches Gefühl. Als Beispiele für Erfolg, es war kein monumentaler Erfolg, es ist nicht so, als hätte man den Oscar gewonnen, aber für mich zu der Zeit, war es wundervoll. Aber ich ging weiter. Ich versuchte, das Geld für Strays aufzutreiben. Ich versuchte, das Geld aufzutreiben um Strays zu machen. Also ging ich nach LA, und ein Freund von mir und ich bekamen diese $47.000 und wir gingen nach New York und machten diesen kleinen Film… Ich fühlte mich damals gut, und ich fühle mich heute gut, dass das passiert ist. Als wir mit dem Dreh begannen fühlte ich mich super. Als ich den Brief bekam in dem stand, "Sie sind angenommen," einer von 18 Filmen aus 1.000 Filmen beim Drama-Wettbewerb bei Sundance… Das war ein Höhepunkt meiner Karriere! Als ich dann nach Sundance ging und das Kino voll war und das Publikum klatschte und das Publikum verstand… Eine Frau find an zu weinen und sagte, es erinnere sie an ihren Sohn… das war wunderschön. Als ich Robert Redford traf… Auf der Straße, die zum ägyptischen Theater führt… Traf ihn ganz zufällig… Ich ging an ihm vorbei, es schneite. Er dreht sich um und folgt mir und packt mich am Arm, an der Schulter, und er sagt, "Ich möchte Ihnen danken, dass Sie an diesem Festival teilnehmen." Das haute mich um!! Als ich ein Kind war hatte ich Butch Cassidy and the Sundance Kid gesehen, und Der Clou… Ich war einer der Jungs die diese Filme sahen und war ein Fan. Und das war ein Riesenlob! Er hält mich auf und sagt, "Ich liebe Ihre Arbeit, ich bin ein Fan Ihrer Arbeit."

BK: In diesem Augenblick waren Sie auch mit Ihrer Arbeit zufrieden.
D: Ich versuche immer, perfekt zu sein. Davon bin ich besessen. Ich bin ein Perfektionist. Es fällt mir manchmal schwer, meine eigenen Filme zu sehen.

BK: Ist es für die anderen Schauspieler schwer, mit Ihnen zu arbeiten?
D: Ich hoffe, dass ich aus den Leuten, mit denen ich arbeite, das Beste heraushole. Ich möchte, dass alle es gut machen. Ich drehte einen Film namens Knockaround, mit Brian Cobb und David Levine. Und Seth Green erzählte einen Witz über, es ging um zwei Dinge, die man Schauspieler niemals sagen hört. So was wie, das ist zu viel Geld und, Hier, nimm eine meiner Zeilen. Und Brian Cobb drehte sich um und sagte, Das ist nicht wahr, das habe ich schon häufig gesagt.

BK: Nicht das mit dem Geld, aber das mit den Zeilen.
D: Das mit den Zeilen, ja. Hier, nimm du diese Zeile. In The Outlaw sagte ich, ich will, dass die anderen Schauspieler kommen und die Szenen stehlen. Ich will für diesen Film Schauspieler engagieren die kommen, und Szenen stehlen. Weil das den Film besser macht.

BK: Den Film haben Sie produziert?
D: Ja, da war ich Produzent. Also, das ist die Idee.

BK: Gibt es ein Projekt, bei dem Sie Regie führen möchten?
D: Es gibt ein Projekt bei dem ich, wenn ich es rechtzeitig zusammen bekommen, gerne Regie führen möchte. Es heißt (unverständlich). Es geht um diesen Cop in den70ern. So einzige außer Frank Serpico, der das Ziel einer von der Polizei gemachten Killertruppe war. Er war auf der brutalsten (unverständlich), und gleichzeitig der am höchsten ausgezeichnete Polizist in der South Bronx. Er schlug den Job aus, den Donnie Brasco annahm, und litt unter den Konsequenzen. Dabei würde ich gerne Regie führen.

BK: Und auch die Hauptrolle spielen?
D: Und die Hauptrolle spielen. Vielleicht. Ich weiß noch nicht genau aber, ja. Das wäre großartig. Aber das ist eines von vielen Projekten. Es ist jetzt das erste Mal, dass man mir viele richtige Drehbücher zeigt. Ich musste mich immer anstrengen, damit sie gemacht wurden. Ich musste immer sagen, nehmt dieses Skript, das hat man hier vergessen, und ich musste mich mit den anderen Schauspielern verbünden damit es funktioniert, damit es etwas besonderes wird. Jetzt bietet man mir diese wunderbaren Rollen an. Ich fühle mich wie ein Kind im Süßwarenladen. Und man Regie führt konzentriert man sich 9-12 Monate auf ein Drehbuch, wenn man mehrere Filme hätte machen können. Und ich lerne so viel über Regie führen von diesen Regisseuren… Als Spielberg mich anrief und mir Saving Private Ryan anbot, dass er eine Rolle für mich in Saving Private Ryan eingebaut hatte, war mir das drum herum egal, ich war in Ekstase. Wegen des märchenhaften Aspekts der ganzen Sache.

BK: Ist es wahr, dass es Spielberg persönlich war, der…
D: Hat Spielberg mich persönlich angerufen… Es war meine Agentin, die mich am Samstag Morgen anrief und die mir sagte, Steven Spielberg verlangt deine Anwesenheit, Steven Spielberg möchte dich kennen lernen. Sie erklärte mir, warum. Aber ich sprang schon rauf und runter weil sie mir sagte, dass Steven Spielberg meinen Film gesehen hatte. Multi-Facial war ein sehr kurzer Film und sehr teuer, $3.000, ich schrieb ihn und führte Regie und spielte die Hauptrolle. Ich machte alles. Er sah nicht mich als Autor, oder Regisseur oder Schauspieler. Was er machte, er brachte es mit mir als Künstler in Verbindung. Und er ist erfolgreicher als Gott und bekommt mehr Lob als Gott… Er ist erfolgreicher als alle anderen im Filmgeschäft. Er nahm sich 22 Minuten Zeit um sich etwas anzusehen, das ich zusammengebastelt hatte. Das Gefühl war ein weiterer Höhepunkt meiner Karriere. Dann zu hören, dass er ein Drehbuch umbauen will, das vielleicht das am meisten erwartete Drehbuch des Jahres ist, des Jahrzehnts und sagt, er will eine Rolle für mich schreiben… Das war unglaublich! Als ich ihn traf, war ich nervös. Ich ging zu ihm am Set von Amistad. Er ließ alle stehen und unterhielt sich eine Weile mit mir. Lernte mich kennen… Ich fühlte mich wichtig! Aber um ehrlich zu sein, ich wäre drei, vier Monate lang jeden Morgen zu ihm gegangen um seine Schuhe zu putzen, nur um ihn kennenzulernen. Ich kann nur sagen, ich fühlte mich gesegnet ihm zuzusehen, von ihm zu lernen. Und das tat ich. (lacht) Das tat ich ganz sicher. Solche Gelegenheiten versäumt man nicht, wenn man sein will… was man werden will…

BK: The Fast and the Furious wurde in Vegas gedreht, richtig?
D: Wir machten das Fahrtraining in Vegas. Gedreht haben wir in LA.

BK: Konnten Sie der Versuchung widerstehen, jede Nacht in Vegas durchzufeiern und sich dann am nächsten Morgen auf die Arbeit zu konzentrieren?
D: Es war eine dumme, dumme Idee, das Fahrtraining in Vegas zu machen. Ich dachte mehr an das Geld, das ich am Vorabend verlor… (lacht)

BK: Man spielte bis sechs, und das Training begann um sieben…
D: Genau. Es war ein Trauerspiel.

BK: Aber bevor Sie den Film drehten, waren Sie ein Rennsport-Fan?
D: Ich fuhr Motorrad. Ich fuhr keine Rennen, aber ich fuhr schon bis zu 150 Meilen pro Stunde (ca. 240 kmh). Regelmäßig, auf verschiedenen Highways, auf dem Weg zurück nach Manhattan. Ich wollte nach Hause, also brachte ich das Bike auf Touren. Auf die Weise lernte ich Geschwindigkeit kennen. Das konnte ich in die Rolle einbringen. Was die Autos betrifft, ich hatte mit Autos nicht viel am Hut in der City. Da verlässt man sich mehr auf den öffentlichen Nahverkehr. Autos sind dort nicht praktisch. Meine Eltern hatten nie ein Auto. Als ich dann Geld hatte dachte ich mehr daran, wie ich damit meinen nächsten Film finanziere. Ich war mehr ein Künstler.

BK: Eine private Frage: ist es wahr, dass Sie und Michelle Rodriguez ein Paar sind?
D: Sagen wir einfach, dass Michelle Rodriguez ein sehr, sehr besonderes Mädchen ist. Ich weiß nicht, wie irgend jemand ihrem Charme und Charisma widerstehen könnte.

BK: In wie weit lassen Sie sich von Kritiken beeinflussen? Lesen Sie veröffentlichte Artikel?
D: Ich habe nicht die Gelegenheit. Wahrscheinlich, weil ich da empfindlich wäre. Ich versuche einfach, die Arbeit zu machen. Für mich geht es darum, die Arbeit zu machen. Mehr als alles andere. Ich meine, wenn es mir um sofortige Anerkennung ginge, würde ich Theater machen. Am Ende der Vorstellung klatschen die Leute, oder nicht. Das ist eine Sofort-Beurteilung. Mir geht es darum, ein Werk zu schaffen, das die Leute sich ansehen, wenn sie die Zeit haben.

BK: Was ist das nächste Projekt?
D: Ich mache einen Film mit dem Titel Triple-X. Das geht um einen Nihilisten, der ein ehemaliger X-Games-Champion ist. X-Games, das ist Extremsport. Snowboarding, Motocross, BMX. Der wird von der NSA rekrutiert um die Welt zu retten. Weil er ein Nihilist ist, schert er sich nicht darum.

BK: Extremsport.
D: Auf eine sehr deutliche James-Bond-Manier. Sehr wie James Bond. Aber doch nicht. Sehr amerikanisch. Sehr tough. Ein Rebell.

BK: Wie haben Sie sich auf den Part vorbereitet? Müssen Sie viele Sportarten lernen?
D: Ja. Das ist ein Riesenprojekt für die nächsten 8 Wochen. Das geht wieder darauf zurück, wie ich meine Rollen aussuche. Ich mache die Rollen nicht, nur um am Drehtag aufzutauchen, und das könnte ich. Ich arbeite doppelt so hart, wie ich es müsste, um den Charakter zu finden. Da macht es keinen Unterschied, ob ich wie bei Saving Private Ryan in ein Ausbildungslager gehe, wie wir es sollten, oder Triple-X. Ich muss herausfinden wer dieser Typ ist, herausfinden, warum er diese ganzen Sportarten macht und welche Wirkung dieser Lebensstil auf seinen Charakter hat. Ich habe schon angefangen, mich mit X-Games zu beschäftigen, ich unterhalte mich mit den Champions der ganzen Sportarten. Ich arbeite mit diesen Jungs. Und für die nächsten 8 Wochen, bis die Dreharbeiten losgehen, die nächsten 8 Wochen könnte ich einen anderen Film machen und Geld verdienen, die nächsten 8 Wochen verbringe ich mit Training. Ich lerne soviel wie ich kann. Ich gehe 2 Wochen nach Tahoe und mache einen Intensivkurs im Snowboarding, dann gehe ich in ein Trainingslager für Inline-Skating, Speedcar, BMX-Fahren. Dann arbeite ich mit einem Motocross-Champion in Las Vegas. Das gehört dazu.

BK: In welchem Alter begannen Sie mit Gewichtheben?
D: Sehr jung. Ich fing mit 15 damit an. Mit 17 fing ich an, in Nachtclubs zu arbeiten. Eine der Voraussetzungen als Rausschmeißer ist, man muss so beeindruckend sein wie möglich. Man muss eine körperliche Präsenz entwickeln. Also trainierte ich, boxte, all so was. Sport war meine Religion, weil ich nur hier Erfolgserlebnisse hatte. Weil niemand meine Arbeit sehen konnte, ich bekam ja keine Rollen. Ich wollte wirklich erfolgreich sein. Wenn die Leute einen fragen, was man macht, und man muss ihnen sagen, dass man Schauspieler ist, dann beweist das, dass ich nichts besonderes bin.

BK: Waren Sie an Bodybuilding-Wettbewerben interessiert?
D: Nein, nein, nein. Der Grund, warum ich an solchen Wettbewerben nicht teilnahm war einfach, dass ich meinen Körper nicht so sehr entstellen wollte. Und ich wollte keine Steroide nehmen müssen. Zu der Zeit nahmen alle, die an solchen Wettbewerben teilnahmen, Steroide.

BK: Vielen Dank für das tolle und ausgiebige Gespräch. Ich wünsche Dir alle Gute für die Zukunft.
D: Ganz meinerseits. Drive Safe, Guys.

(Interview: mac / Übersetzung: jha)